March 2016

Das DGNB-Zertifikat als Herausforderung für die Projektplanung und Bauleitung

Die Zertifizierung nachhaltiger Gebäude hat in den vergangenen Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. In Deutschland zeigt sich dies insbesondere an der Einführung des Zertifikats der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

Aufgrund der Tatsache, dass dieses Gebäudezertifikat nachweislich die Wettbewerbsfähigkeit eines Gebäudes, je nach Ausprägung des Zertifikats (Silber, Gold und Platin), stärkt, etabliert sich dieses Siegel immer mehr zu einem festen Bestandteil bei Projektentwicklungen. Die Umsetzung erfordert jedoch auch die hierfür notwendige Kompetenz im beauftragten Unternehmen, denn in der Praxis lässt sich sehr schnell feststellen, dass die Realisierung der geplanten Nachhaltigkeitsziele auf der Baustelle eine große inhaltliche und organisatorische Herausforderung für die örtliche Bauleitung darstellen.

Die Kontrollen zur Einhaltung der geforderten Nachhaltigkeitsaspekte sind zeitintensiv und umfangreich. Herr Thomas Weszka, Projektplanung der RATISBONA Unternehmensgruppe, hat sich diesen Herausforderungen bei der Projektierung und Umsetzung des deutschlandweit ersten Lebensmittel Discounters mit DGNB-Zertifikat Platin, Standort Hannover, gestellt und hatte so einen maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Zertifizierung.

Herr Weszka, was ist aus Ihrer Sicht der größte Unterschied gegenüber der üblichen Bauweise, bezogen die auf Bauweise und die Auswahl der Materialien, um die DGNB-Kriterien zu erfüllen?

Für die Erfüllung der DGNB-Kriterien spielen bei der Gebäudebewertung sowohl ökologische, ökonomische und soziokulturelle sowie funktionale Aspekte eine große Rolle. Dies lässt sich ganz gut am Baustoff Holz erläutern. Holz ist energiesparend, ökologisch und fast Co2-neutral. Ein Großteil der dann beim Bau verwendeten Hölzer muss darüber hinaus nachweislich FSC- zertifiziert (Standards für verantwortungsvolle Waldwirtschaft) bzw. PEFC- zertifiziert (Siegel für nachhaltige Waldwirtschaft) sein. Im Netto-Lebensmitteldiscounter Hannover bestehen beispielsweise das Dachtragwerk des Hauptgebäudes und das Flachdach aus solchem Holz. Auch müssen sämtliche weitere verbauten Hauptbestandteile und Materialien vorab bewertet und freigegeben werden. So muss beim Großteil der Stoffe der Verzicht von Blei-, Cadmium- und Chrom-VI-Verbindungen kontrolliert und mit Prüfzertifikaten bestätigt werden. Bezogen auf die Bauweise in Hannover ist zu erwähnen, dass z.B. der Verkaufsraum bis zum Dach hin offen ist. Dieser Raum, mit einer Höhe von ca. 5,50m, wirkt somit hell und freundlich.

Störende, abgehängte Decken, welche eine spätere Umnutzung erschweren, wurden weitgehend vermieden, mit dem Resultat, dass das Tageslicht mit speziellen Lichtkuppeln im großen Maße genutzt werden kann. Dies wirkt sich positiv auf die Kunden sowie auf die Mitarbeiter im Markt aus. Eine spezielle Steuerung erkennt den Tageslichteintrag und dimmt dabei das elektrische Licht. Ein Gründach, angebracht auf dem Hauptgebäude, verbessert zudem das Raumklima und entlastet die Regenwasserentwässerung, mit dem Nebeneffekt, dass der Wirkungsgrad der darauf installierten PV-Anlage im Sommer gesteigert wird. Dieser, durch die PV Anlage erzeugte Strom, wird dann zu 95% im Gebäude verbraucht.

Wie stehen Sie persönlich zur DGNB Zertifizierung im Einzelhandel?

Bei einem durchstrukturierten DGNB-Objekt, wie in Hannover, sehe ich die Möglichkeit, Standorte für Eigentümer und Nutzer nachhaltiger zu festigen. Die höheren Investitionskosten sehe ich dabei nicht als Risiko, sondern als gut investiertes Geld. Aber es darf nicht vergessen werden, dass der organisatorische Aufwand bei dem ausführenden Unternehmen um eine Zertifizierung zu erhalten, sehr hoch ist. Eine Zertifizierung bindet enorm viel Arbeitszeit.